Kontrovers

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12. Oktober 2011

Ehrgeiz und Alphatiere

Kristina Schröder: Die Familienministerin will das Betreuungsgeld für Eltern nur ein Jahr auszahlen. Auch Eltern, die Teilzeit arbeiten, sollen unterstützt werden. sueddeutsche.de, taz.de

 

Alphatiere: In den Vorstandsetagen wird den Männern im Angesicht einer drohenden Frauenquote zunehmend mulmig. Welche Strategien werden Sie anwenden, um sich dagegen zu wehren? spiegel.de

 

Zitat der Woche

 

“Ich habe das Bedürfnis, etwas zu tun, für das ich brenne. Und mich selbst zu fordern, auszuprobieren, an meinen Schwächen zu arbeiten: Mein Weg ist da, wo die Angst sitzt. Und natürlich Ehrgeiz. Ich versteh’ gar nicht, warum diese Eigenschaft so negativ besetzt ist.” Buchautorin Bettina Wünderich im Interview auf spiegel.de

10. Oktober 2011

Ministerin Schröder erwartet eine selbstgesetzte Frauenquote

Die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder fordert eine Woche vor dem Treffen mit den 30-Dax-Vorständen, dass die Unternehmen sich beim Thema Frauenquote eine eigene “Zielmarken” setzen und dann auch durchsetzen sollten. focus.de

4. Oktober 2011

Literaturtipp

“Alles zu wollen“ ist für Frauen kein ungewöhnlicher Gedanke. Sie wollen Karriere, Erfolg, Sicherheit, Freunde, Kinder, Heim, Urlaub und Spaß im Leben.Carola Kleinschmidt und Anne Otto haben eine Anleitung geschrieben, wie die Frauen im Wirwar dieser Ziele die richtige Enscheidung treffen können. Lesen sie mehr…

“Die männlichen Professoren verlassen die Gremiensitzung, wenn sie ihre Kinder bei der Kita abholen müssen”

Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) in Cottbus hat zum zweiten Mal das Prädikat TOTAL E-QUALITY für die Chancengleichheit von Männern und Frauen erhalten. Der Verein TOTAL E-QUALITY e.V. verleiht das Prädikat seit 2001 jedes Jahr an Universitäten und Forschungseinrichtungen. Am 4. Oktober 2011 findet dazu eine feierliche Veranstaltung in Berlin statt. Powerfrauennetz hat zu diesem Anlass die Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der BTU, Ehrengard Heinzig, interviewt.

 

 

Powerfrauennetz (PFN): Sie haben das Prädikat TOTAL E-QUALITY für Ihre Arbeit im Bereich der Chancengleichheit und Gleichstellung erhalten. Wie gehen Sie dieses Thema im Alltag an?

 

Ehrengard Heinzig: Ich erkläre es Ihnen gern am Beispiel unserer Außendarstellung. Früher erschienen auf den Fotos oftmals nur Männer, Frauen waren eher „Randerscheinungen“ oder waren erst gar nicht abgebildet. Heute nehmen die Frauen in unseren Printprodukten und auf den Webseiten einen aktiven Part ein. Wir achten zudem darauf, dass unsere Maßnahmen alle Statusgruppen erreichen. Wir bieten Projekte an für Schülerinnen, Studentinnen, Doktorandinnen und für Frauen, die das Karriereziel Professorin haben.

 

PFN: Was erwartet die Schülerinnen in Ihrem Projekt?

 

Heinzig: Für drei Tage haben die Schülerinnen die Möglichkeit, in verschiedene Studiengänge der BTU und in interessante Themen einzutauchen, – etwa: woraus besteht Biogas, wie funktioniert Hardware, u. a. m. Sehr wichtig ist uns, dass auch Professorinnen und akademische Mitarbeiterinnen dieses Projekt den Schülerinnen nahe bringen. Das gilt auch für die Angebote im Probestudium, die für beide Geschlechter offen sind. Damit haben zum einen die Mädchen ein Vorbild, und zum anderen können sich die Jungs davon überzeugen, was kompetente Frauen an unserer Technischen Universität leisten.

 

PFN: Wie haben sich da die Teilnahmezahlen in den letzten Jahren entwickelt?

 

Heinzig: Wir haben 2001 mit etwa 150 Schülerinnen angefangen. Seitdem wir das Programm im Zuge der Gleichberechtigung auch für Jungs geöffnet haben, sind die Zahlen der Mädchen in den Schülerinnen-Projekten allerdings rückläufig. Das Projekt „MINT-Studentin auf Probe“ wird nun auch deshalb wahrscheinlich ein Auslaufmodell.

 

PFN: Verdrängen die Jungs nun die Schülerinnen?

 

Heinzig: Nein, wir beobachten vielmehr, dass die Frauen ihren Platz in der Universität mittlerweile mit viel Selbstbewusstsein erobert haben. Sie wissen sich zu behaupten und nehmen zunehmend die hervorragenden Angebote an, die sich nicht ausschließlich an Frauen richten. Wir wollen zudem auf jeden Fall ein neues Projekt für Abiturientinnen und Studienanfängerinnen auf die Beine stellen, das im Moment noch in der Entstehungsphase ist.

 

PFN: Sie bieten auch ein Mentoring-Programm für Studentinnen und Promovendinnen an. Was genau bietet dieses Programm den Teilnehmerinnen?

 

Heinzig: Studentinnen und Promovendinnen können an dem landesweiten Kooperationsprojekt „Mentoring für Frauen“ teilnehmen, das jeweils zehn Monate andauert. Dort tauschen sie sich mit Mentorinnen und Mentoren aus und erhalten Trainings z. B. zu Projektmanagement, Bewerbungskompetenz, Genderkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung. Anders als bei einigen anderen Mentoringprogrammen können bei uns auch Männer Mentoren sein, soweit sie dazu bereit sind.

 

PFN: Warum Männer als Mentoren? Widerspricht das nicht Ihrem Gleichstellungsauftrag?

 

Heinzig: Ganz im Gegenteil, die Welt besteht doch aus Frauen und Männern. Wir sehen keinen Grund, warum wir uns bei der Auswahl von Mentoren nur auf Frauen beschränken sollten. Schließlich geht es darum, dass sich die Mentee und die Mentorin oder der Mentor auf gleicher Augenhöhe treffen, dass beide in dieser Tandem-Beziehung voneinander profitieren können. Warum sollten Männer da nicht mitmachen?

 

PFN: Wie vielen Frauen steht dieses Programm offen?

 

Heinzig: Zurzeit haben wir sieben Teilnehmerinnen an unserem Cottbuser Standort, sechs aus der BTU und eine von der Hochschule Lausitz (FH). Die sechs Studentinnen gehören nunmehr dem achten Projektdurchgang an und kommen aus den Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Landnutzung und Wasserbewirtschaftung, Umweltingenieurwesen, Kultur und Technik, Informations- und Medientechnik. Und die Promovendin ist diplomierte Hydrologin. Die Mentorinnen und Mentoren kommen aus regionalen Unternehmen und Einrichtungen. Die Resonanz ist gut – viele Mentees bleiben nach dem Studium auch hier in Brandenburg.

 

PFN: Welche Unterstützung erhalten Frauen, die Professorinnen werden wollen?

 

Heinzig: Das Projekt „PROFEM – professura feminea“ ist ein Kooperationsprojekt mit der Hochschule Lausitz (FH), und es ist ähnlich wie das Mentoring-Projekt aufgebaut. Die Projektteilnehmerinnen bekommen auch hier eine Tandempartnerin oder einen Tandempartner zur Seite gestellt und werden zu verschiedenen Themen gecoacht, etwa in Trainings zu Strategieentwicklung, individueller Karriereplanung, Drittmittelakquise, Berufungsverfahren, usw .  Darüber hinaus sind wir bestrebt, auch individuelle Wünsche der Teilnehmerinnen aufzugreifen. Ein Durchgang dauert 15 Monate.

 

PFN: Und wie schaut es bei Ihnen in puncto Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie aus?

 

Heinzig: Auch mit diesen Maßnahmen wollen wir alle Statusgruppen und sowohl Frauen als auch Männer erreichen. Praktisch sieht das so aus, dass durchaus auch die männlichen Professoren Gremiensitzungen bisweilen früher verlassen, wenn sie ihre Kinder bei der Kita abholen. Des Weiteren achten wir darauf, dass keine Nachteile für die Studierenden entstehen, wenn sie Familienaufgaben haben. Diesen Studierenden kann auf Antrag ermöglicht werden, dass sie Ersatzleistungen erbringen, zum Beispiel, wenn ein in der Studienordnung festgelegtes Auslandspraktikum über die volle Dauer eine familiäre Härte wäre.

 

PFN: Rufen die Maßnahmen nicht den Neid bei den anderen Studierenden hervor?

 

Heinzig: Darüber ist mir noch nichts zu Ohren gekommen. Ich habe den Eindruck, dass es dafür viel Verständnis gibt. Bei unseren Bediensteten dürfte es eigentlich auch keinen Neidfaktor geben. Schließlich fassen wir den Familienbegriff sehr weit. Dazu gehören neben der klassischen Familie auch allein erziehende Mütter und Väter, nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Patchwork- und Pflegefamilien. Unsere Arbeit wird geschätzt – wir führen seit 2009 das Zertifikat als „Familiengerechte Hochschule“, das uns die berufundfamilie gGmbH erteilt hat. Seit dem letzten Jahr haben wir zudem eine neue, noch großzügigere Dienstvereinbarung zur flexiblen Arbeitszeit, und diese Regelungen gelten für alle, egal ob sie Familie haben oder nicht. Einschränkungen gibt es nur, wenn sie in bestimmten Bereichen tätig sind (z. B. Studierendensekretariat, Universitätsbibliothek, Kraftfahrer).

 

 

PFN: Wo sind Sie auf Probleme und Widerstände gestoßen?

 

Heinzig: Es gibt noch ein paar Baustellen. So hoffe ich, dass die Frauenförderpläne für die Fakultäten bald verabschiedet werden. Solche Frauenförderpläne haben wir bereits für die Universitätsverwaltung, die zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen und Betriebseinheiten. Sie enthalten konkrete Zielvorgaben, die innerhalb von vier Jahren zu erreichen sind. Doch einige Herren sind bei uns ganz ernsthaft der Ansicht, dass es jetzt doch an der Zeit sei, verstärkt Jungs und Männer zu fördern. Ein Dauerbrenner bei der Arbeit ist übrigens die geschlechtergerechte Sprache. Es hat sich schon viel bewegt, aber da muss doch noch einiges passieren. Das wird noch dauern, weil es über die Jahre hinweg wachsen muss, und weil sich Sprache nicht so einfach „verordnen“ lässt.

 

PFN: Welche Ziele haben Sie noch auf der Agenda, was muss noch erreicht werden?

 

Heinzig: Meine Ziele sind, dass wir auch künftig das Prädikat TOTAL E-QUALITY erhalten und erneut als Familiengerechte Hochschule zertifiziert werden. Und ich setze mich dafür ein, dass wir für die Arbeit in unseren Projekten auch nach dem Auslaufen der derzeitigen Förderzeiträume wieder Finanzierungsmöglichkeiten bekommen.

29. September 2011

Daimler-Chef gegen Frauenquote

Der Chef des schwäbischen Autobauers Daimler, Dieter Zetsche, ist gegen die Einführung von Frauenquoten. Er setzt auf interne Lösungen statt auf staatliche Vorgaben. So soll bis 2020 jede fünfte Führungsposition bei Daimler mit Frauen besetzt werden.

 

focus.de, faz.net

22. September 2011

Neues zur Frauenquote

Annette Schavan, Bundesbildungsministerin, ist gegen eine Frauenquote im Wissenschaftsbetrieb – und spricht sich gegen die Pläne der Regierung in NRW aus. Diese möchte an den Hochschulen die Wissenschaftlerin per Quote fördern. Ein Interview auf  derwesten.de.

 

Derweil hat die italienische Bank Uni-Credit ihrer Tochter in Österreich eine Frauenquote “aufgezwungen”. wirtschaftsblatt.at

29. August 2011

Eine neue Vaterrolle?

„Die Männer haben eine Rhetorik der Gleichheit eingeübt, ohne ihren Worten Taten folgen zu lassen.“ Das konstatierte der Soziologe Ulrich Beck bereits 1986. Heute fragen vier von fünf Männern in ihren Unternehmen gar nicht erst nach Elternzeit. Trotzdem spricht die Gesellschaft von einem neuen Vatertyp. Zurecht? Ein lesenswertes Feature bei tagesspiegel.de

23. August 2011

Lesenswertes Interview

“Frauen entschuldigen sich viel zu oft, statt einfach mal zu machen. Da gibt es eine Bremse im Kopf, die das nicht zulässt.”

 

Die Unternehmensberaterin Barbara Schmidt erklärt in einem Interview bei spiegel.de was Frauen bei ihrer Karriereplanung strategisch klüger machen können. Außerdem erzählt Schmidt, warum sie gegen die Frauenquote ist und und wie die Frauen sich für das Gehaltspoker am besten vorbereiten.

9. August 2011

Bahn möchte Frauenquote von 25 Prozent

Der Bahnpersonalchef Ulrich Weber kündigt an, dass die Bahn in den nächsten fünf Jahren eine Frauenquote von 25 Prozent auf allen Ebenen und 21 Prozent auf der Führungsbene erreichen möchte. Trotzdem hält Weber nichts von einer von der Politik verordneten Frauenquote. Das ganze Interview auf rp-online.de.

5. Juli 2011

Frauenquote, quo vadis?

Männerwirtschaft


Darf ich auch mal mit dem Bagger spielen?” Stellt ein Mädchen Jungs diese Fragen, dann sagen die Knirpse nicht “Aber gern, liebe Anna” und schieben die gelbe Monsterraupe rüber. Nein, sie sagen “Hau ab, mit dem spielen wir!” Eine ähnliche Erfahrung haben Ursula von der Leyen und Kristina Schröder gerade mit den deutschen Wirtschaftsbossen gemacht. Nur haben diese Jungs, weil die strenge EU bereits mit dem Finger droht, maulend versprechen müssen, die Mädchen irgendwann ein kleines bisschen mitspielen zu lassen. Es wird höchste Zeit, dass die Erzieherin durchgreift.


Seit Jahren führt Deutschland in der Frauen- und Familienpolitik eine geradezu lächerliche Debatte. Ob Elternzeit, Kinderbetreuung oder eben Quote: Wieder und wieder wird aus den im vergangenen Jahrhundert ausgehobenen Gräben auf die Gegenseite gefeuert, polemisiert, Kinder werden gegen Karriere ausgespielt, beruflich erfolgreiche Frauen als machtgierige, meist kinderlose Mannweiber verunglimpft. Am Ende steht die Frage: Frauen, wollt Ihr wirklich so sein? Doch fragen wir mal nicht weniger polemisch: Wollt Ihr so sein wie die zackige Bundesarbeitsministern, die einst gegen viele Widerstände das Elterngeld durchgeboxt hat, oder wie die brave Bundesfamilienministerin, die den DAX-Unternehmen artig – aber erfolglos – einen “Flexi-Quote” genannten, vorauseilenden Kompromiss unterbreitet hat?


Es ist doch symptomatisch, wenn die unterschiedlichen Positionen der Politikerinnen als “Zickenkrieg” diffamiert werden. Von der Leyen und Schröder beweisen nur: Sind erst einmal mehrere Frauen an den Hebeln der Macht, dann zeigt sich, dass sie selbstverständlich nicht nur als Frauen, sondern als Persönlichkeiten mit durchaus divergierenden Ansichten handeln. Die deutsche Wirtschaft weiß längst, dass es ohne Frauen nicht mehr geht. Warum sonst versucht sie seit Jahren, Schülerinnen beim “Girls’ Day” für technische Berufe zu erwärmen? Der Fachkräftemangel erreicht gerade den Mittelstand. Wie kann ein Unternehmen noch meinen, auf die teils besser qualifizierten Schul- und Hochschulabsolventinnen verzichten zu können? Um sie zu gewinnen, muss man jedoch mehr tun, als sie mal durchs Mikroskop schauen zu lassen.


Warum sollte eine Frau einen Arbeitgeber wählen, der signalisiert, dass für sie die mittlere Führungsebene Endstation ist, dass sie die “gläserne Decke” nie durchstoßen wird? Nur Frauen an der Unternehmensspitze liefern den schlagenden Beweis, dass diese Durchlässigkeit gegeben ist. Erst wenn Frauen in den obersten Etagen ein alltäglicher Anblick sind, werden sich die alten Rollen- und Denkmuster allmählich aus den Köpfen verabschieden. Dass die Frau allein für die drei K’s – Kinder, Küche, Kirche – zuständig war, ist ja noch gar nicht so lange her. Bis 1977 galt die gesetzliche Regelung, dass Frauen nur dann berechtigt sind, erwerbstätig zu sein, “soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.” Das ist passé, jetzt brauchen wir Menschen, die dafür sorgen, dass ein anspruchsvoller Job und eine Familie sich nicht gegenseitig ausschließen.


Wer könnte das besser als Top-Managerinnen, die nicht nur Excel-Tabellen, sondern auch die Abholzeiten des Kindergartens im Kopf haben? Sie können viel dazu beitragen, dass Frauen in jeder Hinsicht – auch bei der Bezahlung – gleiche Chancen eingeräumt werden. Teilen – das fällt nicht nur Kindern schwer. Erst im Alter von sieben, acht Jahren entwickelt sich beim Menschen der Sinn für Gerechtigkeit. Er entsteht durch positive Vorbilder, Ermahnungen, auch durch Zwang. Seit zehn Jahren verspricht die deutsche Wirtschaft, Frauen an der Macht in den Unternehmen zu beteiligen. Geschehen ist nichts. Ohne Quote wird sich nichts bewegen. Die Wirtschaft tut gut daran, selbst initiativ zu werden. Die EU will nicht mehr lange zuschauen. Das Angebot der Freiwilligkeit gilt noch bis 2012. Danach drohen Strafen – und der Bagger ist weg.


Originaltext: Mittelbayerische Zeitung Quelle: www.presseportal.de