Aktuell

25. Juli 2011

Energienews: EnBW, Venezuela und Kreuzfahrtschiffe

Solarenergie: BP gibt das Geschäft mit Solarmodulen auf. Künftig wird sich der Energiekonzern auf die Entwicklung, den Bau und Verkauf von Solarparks beschränken. Vier Fünftel des Umsatzes der Ökosparte fallen damit weg. Nach der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko habe BP einfach kein Geld mehr für Experimente. ftd.de

 

Windenergie: Die Energiewende verursacht einen massiven Ausbau der Windenergie. Das Angebot muss sich verdoppeln. Doch der Protest der Bürger, die in der Nähe der großen Rotorentürme wohnen, ist damit vorprogrammiert. Eine mögliche Lösung aus Schleswig-Holstein: Die Gemeinden verdienen an dem Windpark mit. Im Süden der Republik müssen derweil noch Flächen für die neuen Windparks gefunden werden.  spiegel.de, zeit.de

 

Stromkosten: Die Energiewende dürfte die jährliche Stromrechnung  deutlich verteuern. spiegel.de

 

Venezuela: Das südamerikanische Land hat die größten Ölreserven weltweit, noch vor Saudi-Arabien. Der Ölpreis dürfte dies im Wesentlichen nicht beeinflussen. Denn Experten sind der Meinung, dass Venezuela nicht das Know-how verfügt, um das Erdöl zu fördern. faz.net, fr-online.de

 

Saudi-Arabien: Die Einnahmen durch die Förderung von Erdöl haben für viel Wohlstand unter der einheimischen Bevölkerung geführt. Doch der breiten Masse der saudischen Bevölkerung hat dies keine Arbeit gebracht. Ein Großteil der Arbeit wurde und wird von Einwanderern aus Pakistan und den Philippinen verrichtet. ftd.de

 

EnBW: Der Energieversorger spürt die Folgen des Atomausstiegs. Die neuen Rahmenbedingungen verursachen laut Versorger einen Halbjahresverlust auf rund 590 Millionen Euro. EnBW würde aber nach wie vor auf Jahressicht Milliardengewinne machen, wie die FR meint. fr-online.de, fr-online.de, ftd

 

RWE: Der Energiekonzern aus Nordrhein-Westfalen wird künftig die Deutsche Bahn mit Energie aus Wasserkraft beliefern. Der Vertrag ist auf zehn Jahre angelegt, der größte Stromverbraucher Deutschlands zahlt dafür einen einstelligen Milliardenbetrag. sueddeutsche.de, handelsblatt.com, ftd.de

 

Elektroauto: Die deutsche Automobilbranche hat weltweit zusammen 129 neue Patente für Elektromotoren oder –fahrzeuge angemeldet. Das ist ein Zuwachs von 130 Prozent im Vergleich zu 2006. handelsblatt.com

 

Kreuzfahrtschiffe: Die meisten Kreuzfahrtschiffe sind wahre Dreckschleudern. Neuere Modelle könnten auf umweltfreundlichen Treibstoff umstellen. wiwo.de

20. Juli 2011

Solarkraft in Frankfreich und indisches Uranerz – Die Nachrichten der Woche

Es ist ein großer Erfolg für das bayrische Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar: der französische Energieanbieter Akuo Energy hat den Anlagenbauer aus Sulzemoos beauftragt, zwei Solarkraftwerke mit 24 Megawatt Spitzenleistung zu bauen. Phoenix Solar hat bereits dieses Jahr in Frankreich Aufträge in Höhe von 100 Millionen Euro erhalten, berichtet das Handelsblatt (zweiter Link hier).

 

Das Deutsche Atomforum, Deutschlands Lobbygruppe für Atomkraft, darf nicht mehr mit Windrädern werben, wie Spiegel Online berichtet. Der Hersteller von Windrädern Enercon hatte eine einstweilige Verfügung beantragt, als einer seiner Windräder in einer Anzeige mit dem Kernkraftwerk Unterweser zu sehen war. Untertitel: “Klimaschützer unter sich. Kernkraftwerk Unterweser und Windenergie: CO2-Ausstoß Null.”

 

In anderen Teilen der Welt wird Atomkraft nach wie vor als notwendig für Wachstum und Fortschritt angesehen. Besonders in Indien, wo das wahrscheinlich größte Uranvorkommen der Welt erschlossen werden soll. Im besten Fall lagern im südöstlichen Bundesstaat Andhra Pradesh 150.000 Tonnen Uranerz. Es wird trotzdem nicht reichen, um Indien unabhängig von Importen zu machen, wie die Welt berichtet.

 

Weitere Links der Energiebranche:

Wenn Windräder stillstehen (Frankfurter Rundschau). Der Leitungsbau in Deutschland hinkt der Erzeugung von Öko-Strom hinterher. Das Resultat: Immer mehr Windräder müssen kurzzeitig aus dem Wind gedreht werden. Die Bundesnetzagentur legt jetzt einen Plan auf.

 

Der letzte Saurier (Zeit Online). Was will ein deutscher Atommanager im Land der Atomkatastrophe? Eine Reise nach Japan mit Jürgen Großmann, dem Chef des Energiekonzerns RWE. Von Stefan Willeke

 

So will die Bundesnetzagentur Blackouts verhindern (Welt). Die Bundesnetzagentur prüft, ob einer der stillgelegten Atommeiler am Leben erhalten werden soll. So könnten Engpässe abgefedert werden.

 

19. Juli 2011

Warum gibt es so wenige Frauen, die Informatik studieren?

In einem Interview mit The European antwortet die leitende Google-Ingenieurin Michal Segalov auf diese Frage:

 

“Grundsätzlich ist es ein Wahrnehmungsproblem. Ich glaube, oft ist es so, dass junge Mädchen Ingenieurswesen oder Naturwissenschaften als etwas ansehen, das nur für Jungen ist, oder auch als etwas wenig Interessantes, Innovatives oder Kreatives. So kommen sie von diesem Karriereweg ab. Was mich betrifft, hat Ingenieurswesen etwas hoch Innovatives und ausgesprochen Kreatives.”


18. Juli 2011

Frauenquote nicht erfüllbar

BMW, Daimler oder Münchner Rück werden in den kommenden zwei Jahren weit weniger Frauen in ihren Vorstandsetagen einstellen, als von der Politik gefordert. Nur 14 der 76 Dax-Vorstandsposten könnten in den kommenden zwei Jahren tatsächlich an Frauen vergeben werden. In diesem Zeitraum laufen die Verträge der Vorstände aus.

 

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Wirtschaftswoche unter deutschen Personalberatern. Damit wären bestenfalls nur 18 Prozent der Vorstandsposten von Frauen besetzt – und nicht 30 Prozent, wie von der Politik gefordert.

 

Mehr zum Thema:

Sie da oben. Frauen, die Fußball spielen? Kein Problem mehr. Doch in der deutschen Wirtschaft? Gibt’s keine. Das muss sich ändern – und ein Seminar hilft dabei, Tagesspiegel.de

 

Frauen und Learjets. Bei SAP und Telekom gibt es Streit um weibliche Führungskräfte – ein Zeichen neuer Normalität, zeit.de

 

 

Wie grün ist das Internet?

Es ist eine Frage, die uns in letzter Zeit immer häufiger beschäftigt; eine Frage, die – wenn man so will – ins Zentrum unserer Handlungslogik gerückt ist: Wie groß ist mein ökologischer Fußabdruck?

 

Internetnutzer können sich mit dem folgenden Video einen Eindruck verschaffen, wer von Facebook, Youtube & Co den meißten CO2-Ausstoß produziert. Und damit herausfinden, was es ökologisch bedeutet, mal schnell ein Video bei Youtube anzuklicken.

 

 

Mehr zum Thema:

How green is your data? Ein Studie über Amazon & Co von Greenpeace

Japanischer Unternehmer plant Bau von Solarkraftwerken

Der reichste Mann Japans, Masayoshi Son, zieht praktische Konsequenzen aus den Überlegungen, langfristig die Atomenergie zu überwinden. Der Gründer von Softbank, dem japanischen Vodafone, plant zehn Solarkraftwerke zu bauen, wie der Blog Grüne Geschäfte berichtet. Die Leistung wird mindestens 20 Megawatt betragen. Dies ereignet sich zum gleichen Zeitpunkt, in dem wahrscheinlich ein weiterer Atomreaktor vom Netz genommen wird. Der Betreiber nennt als Grund einen Druckverlust in einem Borsäurebehälter, berichtet ZEIT Online. Es sei bisher keine Radioaktivität ausgetreten. Die Entscheidung dürfte die Energieknappheit in Japan verschärfen, denn seit der Tsunami-Katastrophe sind nur 18 von 54 Reaktoren am Netz. Die Behörden rufen die Bevölkerung und die Unternehmen daher auf, den Stromverbrauch zu reduzieren.

 

Der deutsche Atomausstieg hat dazu geführt, dass zwei große Energiekonzerne bereits Klage dagegen erhoben haben. RWE und Eon ziehen namentlich gegen die Brennelementsteuer juristisch zu Felde. Nun bekommen sie Verstärkung: der baden-württembergische Versorger EnBW wird auch gegen die Brennelementsteuer klagen.

 

Weitere Nachrichten aus der Energiebranche:

Der australische Gasförderkonzern Santos kauf den Konkurrenten Eastern Star, Handelsblatt

 

 

13. Juli 2011

Atomausstieg bald auch auf französisch?

Deutschland war bis vor kurzem das einzige Land, das aus der Atomkraft aussteigen wollte. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima scheinen nun einige der Befürworter leise darüber nachzudenken, Deutschland es gleich zu tun. So berichtet der ZEIT-Blog „Grüne Geschäft“ über die ersten Überlegungen in Frankfreich, langfristig aus der Kernenergie auszusteigen. Auch in Japan fordert der Regierungschef: „Wir müssen eine Gesellschaft entwickeln, die auf Atomenergie verzichtet” (Süddeutsche Zeitung). Auch bei der Financial Times Deutschland.

 

In Deutschland wird der Atomausstieg dazu führen, dass aus dem Ausland billigerer Strom importiert wird. Es sei denn, der Strom aus Kohlekraftwerken wird teurer, wie Spiegel Online analysiert. Nur so könnten die emissionsarmen Gas- und Dampfkraftwerke bereits jetzt mit den herkömmlichen Energiequellen konkurrieren – und so den Übergang zu einem neuen Ökozeitalter vorantreiben.

11. Juli 2011

Aktuelle Nachrichten zur Frauenquote

Aus Italien kommen jüngst schlechte Nachrichten; das Land, so haben einige Medien bereits am Wochenende berichtet, ist kurz davor in den Strudel der Euro-Krise zu geraten. Doch für Frauen sind gute Nachrichten zu vernehmen. Das Handelsblatt meldete vor Kurzem: Das Parlament in Rom stimmt für eine Frauenquote in Unternehmen. Ab 2012 sollen die Verwaltungsräte in den Betrieben und staatlichen Unternehmen mindestens ein Fünftel und ab 2015 ein Drittel der Posten an Frauen vergeben. Der Verwaltungsrat ist in Italien das zentrale Leitungsorgan des Unternehmens. Die Frauenquote in den italienischen Führungsetagen gehört zu den Schlusslichtern Europas, genauso wie in Deutschland.

 

Derweil hat sich Christine Hohmann-Dennhardt, die einzige Frau im Vorstand von Daimler, für eine Frauenquote ausgesprochen. Dem Spiegel sagte sie in einem Interview, dass sei ihre ganz private Meinung. Der Vorstandtschef Dieter Zesche lehnt eine Quote ab. Auch die EU-Kommissarin Vivanne Redding ist für die Quote. Sie droht den Unternehmen, ab 2015 ein 30-prozentige Frauen-Quote für die Besetzung von Aufsichtsräten einführen zu wollen, wenn bis März kommenden Jahres die Unternehmen nicht genügend für die Besetzung von Frauen in den Führungsgremien tun.

 

Das Interview mit der EU-Kommissarin kann man hier lesen. (Focus Online)

 

5. Juli 2011

Frauenquote, quo vadis?

Männerwirtschaft


Darf ich auch mal mit dem Bagger spielen?” Stellt ein Mädchen Jungs diese Fragen, dann sagen die Knirpse nicht “Aber gern, liebe Anna” und schieben die gelbe Monsterraupe rüber. Nein, sie sagen “Hau ab, mit dem spielen wir!” Eine ähnliche Erfahrung haben Ursula von der Leyen und Kristina Schröder gerade mit den deutschen Wirtschaftsbossen gemacht. Nur haben diese Jungs, weil die strenge EU bereits mit dem Finger droht, maulend versprechen müssen, die Mädchen irgendwann ein kleines bisschen mitspielen zu lassen. Es wird höchste Zeit, dass die Erzieherin durchgreift.


Seit Jahren führt Deutschland in der Frauen- und Familienpolitik eine geradezu lächerliche Debatte. Ob Elternzeit, Kinderbetreuung oder eben Quote: Wieder und wieder wird aus den im vergangenen Jahrhundert ausgehobenen Gräben auf die Gegenseite gefeuert, polemisiert, Kinder werden gegen Karriere ausgespielt, beruflich erfolgreiche Frauen als machtgierige, meist kinderlose Mannweiber verunglimpft. Am Ende steht die Frage: Frauen, wollt Ihr wirklich so sein? Doch fragen wir mal nicht weniger polemisch: Wollt Ihr so sein wie die zackige Bundesarbeitsministern, die einst gegen viele Widerstände das Elterngeld durchgeboxt hat, oder wie die brave Bundesfamilienministerin, die den DAX-Unternehmen artig – aber erfolglos – einen “Flexi-Quote” genannten, vorauseilenden Kompromiss unterbreitet hat?


Es ist doch symptomatisch, wenn die unterschiedlichen Positionen der Politikerinnen als “Zickenkrieg” diffamiert werden. Von der Leyen und Schröder beweisen nur: Sind erst einmal mehrere Frauen an den Hebeln der Macht, dann zeigt sich, dass sie selbstverständlich nicht nur als Frauen, sondern als Persönlichkeiten mit durchaus divergierenden Ansichten handeln. Die deutsche Wirtschaft weiß längst, dass es ohne Frauen nicht mehr geht. Warum sonst versucht sie seit Jahren, Schülerinnen beim “Girls’ Day” für technische Berufe zu erwärmen? Der Fachkräftemangel erreicht gerade den Mittelstand. Wie kann ein Unternehmen noch meinen, auf die teils besser qualifizierten Schul- und Hochschulabsolventinnen verzichten zu können? Um sie zu gewinnen, muss man jedoch mehr tun, als sie mal durchs Mikroskop schauen zu lassen.


Warum sollte eine Frau einen Arbeitgeber wählen, der signalisiert, dass für sie die mittlere Führungsebene Endstation ist, dass sie die “gläserne Decke” nie durchstoßen wird? Nur Frauen an der Unternehmensspitze liefern den schlagenden Beweis, dass diese Durchlässigkeit gegeben ist. Erst wenn Frauen in den obersten Etagen ein alltäglicher Anblick sind, werden sich die alten Rollen- und Denkmuster allmählich aus den Köpfen verabschieden. Dass die Frau allein für die drei K’s – Kinder, Küche, Kirche – zuständig war, ist ja noch gar nicht so lange her. Bis 1977 galt die gesetzliche Regelung, dass Frauen nur dann berechtigt sind, erwerbstätig zu sein, “soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.” Das ist passé, jetzt brauchen wir Menschen, die dafür sorgen, dass ein anspruchsvoller Job und eine Familie sich nicht gegenseitig ausschließen.


Wer könnte das besser als Top-Managerinnen, die nicht nur Excel-Tabellen, sondern auch die Abholzeiten des Kindergartens im Kopf haben? Sie können viel dazu beitragen, dass Frauen in jeder Hinsicht – auch bei der Bezahlung – gleiche Chancen eingeräumt werden. Teilen – das fällt nicht nur Kindern schwer. Erst im Alter von sieben, acht Jahren entwickelt sich beim Menschen der Sinn für Gerechtigkeit. Er entsteht durch positive Vorbilder, Ermahnungen, auch durch Zwang. Seit zehn Jahren verspricht die deutsche Wirtschaft, Frauen an der Macht in den Unternehmen zu beteiligen. Geschehen ist nichts. Ohne Quote wird sich nichts bewegen. Die Wirtschaft tut gut daran, selbst initiativ zu werden. Die EU will nicht mehr lange zuschauen. Das Angebot der Freiwilligkeit gilt noch bis 2012. Danach drohen Strafen – und der Bagger ist weg.


Originaltext: Mittelbayerische Zeitung Quelle: www.presseportal.de