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Die Elternzeit: Schaffenspause oder Karriereaus?

ZeitSie haben erst vor kurzem die langersehnte Beförderung von Ihrem Chef erhalten, doch gleichzeitig wird der Kinderwunsch immer größer. Viele Frauen kennen diesen Zwiespalt zwischen Karriere und Familie. Doch mit den 2001 in Kraft getretenen Regelungen der Elternzeit sind sowohl der finanzielle und zeitliche Spielraum als auch die Sicherheit des Jobs größer, als die meisten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vermuten. Nachfolgend erhalten Sie die wichtigsten Informationen zum Thema Elternzeit.


Zeitlicher Anspruch

Bis zur Vollendung des dritten Lebensjahrs des Kindes können beide Elternteile nacheinander oder gleichzeitig Elternzeit in Anspruch nehmen. Das Einverständnis des Arbeitgebers vorausgesetzt können sogar bis zu 12 Monate der Elternzeit auf das vierte bis achte Lebensjahr des Kindes übertragen werden.


Finanzieller Anspruch

Sechs Wochen vor bis acht Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin, im Zeitraum des Mutterschutzes, erhalten Sie noch Ihr volles vorheriges Gehalt, anteilig von Arbeitnehmer und Krankenkasse. Während der anschließenden Elternzeit wird Ihnen das sogenannte Elterngeld gezahlt. Der Bezugszeitraum beläuft sich auf 12 Monate, wenn Sie allein die Elternzeit in Anspruch nehmen bzw. auf 14 Monate, wenn auch Ihr Partner mindestens zwei Monate Elternzeit fordert. Das Elterngeld wird für jeden Arbeitnehmer individuell aus dem durchschnittlichen Nettoeinkommen der vergangenen 12 Monate vor dem errechneten Geburtstermin des Kindes errechnet und beträgt 67% davon. Zusätzlich hat Ihr Kind vom Tag der Geburt an einen Anspruch auf ein monatliches Kindergeld von 184 Euro.


Antragsfristen

Spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit muss diese schriftlich beim Arbeitgeber eingefordert werden. Zudem müssen Sie ihm verbindlich mitteilen, in welchem Zeitraum Sie in den kommenden zwei Jahren nach Geburt des Kindes die Elternzeit in Anspruch nehmen wollen, damit Ihr Arbeitgeber Ihre Abwesenheit mit einer eventuellen Ersatzkraft optimal planen kann. Planen Sie Ihre Elternzeit direkt im Anschluss an die Mutterschutzzeit, muss Ihr Elternzeitantrag dementsprechend sieben Wochen vor Ende der Mutterschutzfrist bei Ihrem Arbeitgeber vorliegen.


Kündigungsschutz

Mit dem Beginn der Schwangerschaft und über den kompletten Zeitraum der Elternzeit hinweg gilt ein generelles Kündigungsverbot seitens des Arbeitgebers, vorausgesetzt dieser wurde von Ihrer Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt. Sollte Ihnen trotzdem eine Kündigung ausgesprochen werden, weil Ihr Arbeitgeber noch nicht über Ihre Schwangerschaft informiert ist, haben Sie 14 Tage Zeit, die Schwangerschaft nachzuweisen und die Kündigung somit rückwirkend ungültig zu machen. Nach dem Ende der Elternzeit haben Sie zudem den Anspruch auf die Rückkehr in Ihre alte bzw. eine gleichwertige Position. Arbeitnehmer selbst haben das Recht, mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende der Elternzeit ihr Beschäftigungsverhältnis aufzulösen.


Arbeitszeitverringerung nach der Elternzeit

Sie als Arbeitnehmerin bzw. Ihr Partner haben nach dem Ende der Elternzeit einen Anspruch auf eine Reduzierung Ihrer Arbeitszeit auf eine Teilzeitbeschäftigung. Voraussetzung dafür ist, dass in Ihrem Unternehmen regulär 15 oder mehr Mitarbeiter, ausgenommen der Auszubildenden, beschäftigt sind und dass keine dringenden betrieblichen Gründe der Teilzeitbeschäftigung entgegenstehen.


Nach der Geburt eines Kindes folgt also nicht zwangsläufig ein Abstieg auf der Karriereleiter oder sogar Arbeitslosigkeit. Mithilfe der Elternzeitregelung kann eine Vereinbarung von beidem entspannt und ohne Zukunftsängste realisiert werden.


Für weitere Informationen zum Thema Elternzeit und Elterngeld wenden Sie sich bitte an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter www.bmfsfj.de.




Elternzeit und Wiedereinstieg

EinstiegViele Frauen machen sich schon während der Schwangerschaft Gedanken über die Zeit nach der Geburt des Kindes und wie es anschließend beruflich weitergeht. Nach ein bis zwei Jahren Elternzeit entscheiden sich immer mehr Frauen dazu, wieder beruflich tätig zu werden. Bei dem Wiedereinstieg gibt es Aspekte und Möglichkeiten, die Sie nicht vernachlässigen sollten. Hier erfahren Sie, worauf es bei der Rückkehr in den Beruf ankommt.


Kommunikation und Weiterbildung

Planen Sie den Einstieg sorgfältig und binden Sie Ihren Arbeitgeber in die Planung mit ein. Sonst überraschen Sie Ihren Arbeitgeber mit dem Vorhaben, Ihren früheren Arbeitsplatz einzufordern und müssen sich mit unglücklichen Kompromissen abfinden.

 

Erhalten Sie den Kontakt zum Unternehmen und den Kollegen. Die Vorteile sind offensichtlich: Sie erfahren von Veränderungen und Umstrukturierungen. Darüber hinaus bleiben Sie inhaltlich auf dem Stand der Entwicklungen. Von beruflichen Inhalten unabhängig bleibt die Freundschaft zu den Kollegen durch regelmäßigen Kontakt erhalten.

 

Nutzen Sie die Chance der Weiterbildung. Sie bleiben auf dem Stand der Dinge, was von Seiten des Arbeitgebers positiv gewertet wird. Was Sie jedoch beachten sollten: Sie sind offiziell beurlaubt und Ihre Kollegen werden eher berücksichtig. Darüber hinaus muss Ihr Arbeitgeber die Kosten für die Weiterbildung nicht tragen. Dies hängt jedoch von dessen Kulanz ab.

 

Rechtslage: Der Einstieg in den früheren Job

Das Deutsche Recht sieht vor, dass Sie als Arbeitnehmer das Recht haben, Ihre frühere Arbeitsstelle bzw. eine dem Arbeitsvertrag gleichwertige oder ähnliche Stelle zu bekommen. Eine Umsetzung zu Ihren Ungunsten ist unzulässig, vor allem wenn Sie nach dem Wiedereinstieg unter finanziellen Einbußen zu leiden hätten.

 

Von dieser Regelung ist Ihr Status ebenfalls betroffen. Wenn Sie während der Elternzeit in Teilzeit gearbeitet haben und anschließend in Ihren bisherigen Job in Vollzeit zurückkehren wollen, so muss Ihnen Ihr Arbeitgeber diese Stelle gewähren.

 

Kinderbetreuung

Wenn Sie sich für einen frühzeitigen Einstieg ins Berufsleben entscheiden, dann ist eine geregelte Kinderbetreuung von absoluter Priorität. Abhängig vom Alter Ihres Kindes stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Die Krippe für die Gruppe der Kleinstkinder bis zu drei Jahren, der Kindergarten für die drei- bis sechsjährigen und die Schule bzw. die Ganztagsschule. Sie sollten verschiedene Modelle der Betreuung durchgehen, denn die anfallenden Kosten können sehr stark variieren.

 

Ein Krippenplatz kostet zwischen 100 und 600 Euro. Leider ist eine bundesweite Versorgung momentan noch nicht garantiert und es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen. Vielseitiger ist die Situation bei den Kindergärten. Viele Unternehmen, von der Größe unabhängig, gehen mit gutem Beispiel voran und verfügen über eine eigene Kinderbetreuung in direkter Firmennähe. In Kindergärten von Ballungszentren hingegen sollten Sie längere Wartelisten für Plätze einkalkulieren und darauf achten, dass auch eine Ganztagsbetreuung gewährleistet ist. Hier variieren die Kosten, abhängig vom monatlichen Gehalt. Alternativen wären noch die Großmutter oder eine kostenintensive Tagesmutter.

 

Teilzeitarbeit in der Elternzeit

Trotz der Beurlaubung durch die Elternzeit können Sie schon früh wieder in Ihren Job einsteigen. Sie haben die Möglichkeit, mit einem Teilzeitangestelltenverhältnis (15 bis 30 Stunden in der Woche) ins Berufsleben einzusteigen. Die Voraussetzung dafür ist, dass Ihr Unternehmen 15 oder mehr Mitarbeiter anstellt. Sofern Ihr Arbeitgeber nicht wegen dringenden betrieblichen Gründen interveniert, steht der Teilzeitbeschäftigung nichts entgegen. Prüfen Sie zur Teilzeit noch weitere Arbeitsmodelle. Sofern Ihre Tätigkeit die nötige Freiheit aufweist, ist die Arbeit im Homeoffice eine attraktive Alternative. Arbeit und Familie finden hier ein gesundes Gleichgewicht.